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E V O  L U T I O N

 

 

Über die Dimensionen der Evolution - von Agnus D.  /  anno domini  2007

 

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INHALTSVERZEICHNIS

 
 

I. Die Evolution im Allgemeinen

 

II. Gründe der Evolution an sich

  III. Die Evolution des Menschen
  IV. Die Evolution Gottes
  V. Die Evolution in der Bibel
  VI. Die Evolution von Agnus Dei
 

 

 

I. Die Evolution im Allgemeinen     ^

 

Der Wortbegriff »Evolution« kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt "Entwicklung". Er wird zumeist nur im Zusammenhang mit der kosmischen und biologischen Entwicklung gebraucht, und ist daher fast schon zu einem Fachbegriff geworden. Insbesondere in der Biologie, wo sich die Entstehung des Lebens als eine ganz besondere Evolution versteht, im Sinne einer beständigen allmählichen Entwicklung des Lebens aus chemisch einfachsten Anfängen wie den Aminosäuren und physikalisch kleinsten Bausteinen wie den Molekülen sowie den daraus zusammengesetzten Molekülketten. Der so genannte Quantensprung in der Entstehung des Lebens auf unserem Planeten Erde bestand in der Hervorbringung eines zellulären stoffwechselnden Ur-Organismus, welcher sich selbst zu reproduzieren sowie den Umweltbedingungen und ihren Änderungen anzupassen imstande war. Aus dieser Urzelle formierten sich alsdann die späteren Zellhaufen, mit den Spezialisierungen ihrer Zellen zu verschiedenen Zellgattungen für die Bildung von organisch strukturierten Urorganismen. Sie wurden die Grundlage aller sich aus ihnen weiterentwickelnden Lebensformen wie den Pflanzen und Tieren bis hin zum Homo sapiens. Das Prinzip der Evolution besteht in der Mutation und Selektion, also in spontaner Genveränderung sowie einer natürlichen Auslese, wonach die Lebenstüchtigkeit von Lebewesen in einer genetisch und individuell genügenden Angepasstheit an ihre Umwelt- und Lebensbedingungen besteht. Als Begründer der Evolutionstheorie gilt Charles Darwin, welcher in seinem Buch von der Entstehung der Arten, gegen Ende des 19. Jahrhunderts dadurch weltweite Berühmtheit und Anerkennung erlangte. Der Mensch stammt vom Affen ab! Das war zunächst die grob verallgemeinernde Schlussfolgerung aus seiner Theorie von der Evolution bei seinen bis heute noch immer vorhandenen Kritikern.

Die kosmologische Evolution vollzog sich naturgemäß ein wenig anders, wenngleich das Urprinzip: "vom Einfachsten zum Differenziertesten", ebenso hier das identische ist. Bei dieser Evolution geht es nicht um Leben, sondern um die energetischen und materiellen Grundlagen für die Entstehung und Erhaltung von Leben. Während nun beim Leben die chemischen Prozesse das Wesentliche daran ausmachen, sind es ja beim Kosmos die physikalischen. Und da beginnt das Dasein an sich, in einem alles erbringenden Urknall, dessen Ausgangsbedingungen von den Physikern als die so genannte Planck-Welt oder auch Planck-Ära bezeichnet werden. Hierbei handelt es sich kurz gesagt um Aussagen darüber, von welcher Beschaffenheit das Energiebündel einstmals gewesen sein muss, das sich urknallend quasi aus dem Nichts heraus in Raum und Zeit katapultiert hatte. Denn wenn überall alles gleich und symmetrisch ist, also kein Unterschied im System vorhanden ist, dann hat das System einen Nullwert zu einem Nichts, und zwar mit oder ohne Raum und Zeit. Doch bei einem Nullwert zum Nichts verlieren Raum und Zeit ihre Bedeutung, indem der Raum und die Zeit nur dadurch existent werden, dass eine Durchbrechung von Gleichheit und Symmetrie im System erfolgt. Der Urknall mit seiner Raumzeitexpansion als eine kosmische Evolution wurde in den zwanziger Jahren des letztvergangenen zwanzigsten Jahrhunderts vom nordamerikanischen Astronom "Edwin Hubble" anhand der spektralen Rotverschiebung entdeckt und beschrieben. Noch bis weit in die fünfziger Jahre gleichen Jahrhunderts hinein war auch die kosmische Evolution umstritten gewesen, bis dann schließlich erste Beweise für den Urknall gefunden wurden, wie zum Beispiel die Hintergrundstrahlung als energetischer Nachhall des Urknalls. Heute aber haben sich die Beweise und Indizien in vielen Bereichen soweit vermehrt und verdichtet, dass an der Tatsächlichkeit des Urknalls und seiner kosmischen Evolution keinerlei Zweifel mehr bestehen.

Die Kritik an der kosmischen und biologischen Evolution kommt daher nicht aus den Naturwissenschaften, sondern von religiösen und kirchlichen Organisationen, welche an ihren überkommenen "biblisch-antiken" Weltbildern um jeden Preis festhalten. Dabei geht es nicht um Wahrheit und Wirklichkeit, sondern um geistige Selbstbeschränkung zum Erhalt von Tradition und Konvention. Dass die Genesis bei Moses ein reines Sinnbild darstellt, für einen Vorgang, der ohne modernes biologisches, chemisches und physikalisches Wissen schlichtweg nicht begreifbar sein kann, das ist heute jedem Vernunftbegabten klar. Denn immer nur in Märchen für Kinder sprechen beispielsweise Tiere zu Menschen. Nichtsdestotrotz ist und bleibt die Genesis ein von Gott inspiriertes wertvolles Sinnbild. Direkte Hinweise auf den Urknall finden sich dagegen beim Propheten Jesajas, der zu Recht als der wichtigste und inspirierteste Prophet des Alten Testaments gilt. Die ganz entscheidenden Fragen jener mit Vernunft arbeitenden Menschheit hinsichtlich der unleugbar vorhandenen biologischen und kosmischen Evolution sind deshalb die nach deren Sinn und Zweck. Denn, dass sich das Urdasein aus einem absolut symmetrischen raumzeitlosen Nichts heraus in die Existenz begeben hat, muss einen Grund gehabt haben, der nur in dem raumzeitlos symmetrischen nullpunktuellen Nichts selbst liegen kann. Und wenn eben der todesähnliche Nullpunkt der Uranlass war sich in die "Existenz" zu erheben, dann sind wir damit auch bereits schon der Antwort zu unseren Fragen ein gutes Stück näher gekommen. Nachfolgend machen wir zwischen biologischer und kosmischer Evolution keinen Unterschied mehr, indem es ja vom urknallenden Urbeginn an um die Existenz von Dasein geht, so dass es sich bei der Evolution um die Entwicklung des universalen Seins in allen seinen Komponenten des Materiellen wie Immateriellen handelt.

 

 

 

II. Gründe der Evolution an sich     ^

 

Hat Gott der Herr nicht die Allmacht, dass er einem Magier gleich, einfach "Abrakadabra" sprechend die Welt quasi aus dem Nichts in seine Hand zaubert, um sie dann in umgekehrter Weise daraus ebenso magisch wieder ins Nichts verschwinden zu lassen? Dass das nicht gehen kann, das begreifen schon kleine Kinder, die dann zu fragen beginnen würden, ob sich denn der Allmächtige nicht in der Welt befindet, und ob denn die Welt nicht das Dasein insgesamt sei, und wenn nicht, wo sich dann das Dasein Gottes befinden würde. Schon Vierjährige haben ein feines Gespür für das was sein kann oder auch nicht. Instinktiv fühlen sie, dass alles Dasein unteilbar sein muss, dass gegenüber einem Nichts das Dasein eine allumfassende Einheit bilden muss. Deshalb fragen sie naiv, wo denn der liebe Gott ist, und was er denn sonst so macht, wenn er nicht gerade schläft. Mit diesen Fragen sind die Kinder klar realistischer, als alle Theologen zusammen einschließlich ihrer Päpste und Präsidenten. Denn die malen sich ungeniert für Gott ein aller Welt enthobenes Wolkenkuckucksheim aus, und glauben ernsthaft - oder auch nicht - an einen derartigen Unsinn, wofür sie sich zum Leidwesen anderer Leute auch noch sehr missionarisch einsetzen. Doch haben wir ja zum Glück und zur Rettung der menschlichen Vernunft die Mathematik, welche uns logisches Denken lehrte. Das soll aber nicht auf die Mathematik allein beschränkt bleiben, sondern ebenso bei allen sonstigen Lebensbereichen zur Anwendung gelangen, wo es um Wahrheit und Wirklichkeit geht.

Mit den Fragen nach den Gründen des Daseins sind Wahrheit und Wirklichkeit ganz besonders gefordert, und damit eben auch unsere Denkfähigkeiten nach den Regeln der mathematischen Logik und Beweisführung. Dass das Dasein gegenüber dem Nichts eine allumfassend unteilbare Einheit bilden muss, das ergibt sich zum Beispiel ganz simpel aus der unteilbaren Einheit des Nichts als das zum Sein zugehörige Gegenteil. Die Logik sagt, dass wenn das Nichts eine unteilbare Einheit ist, dann das gleiche auch für sein Gegenteil bzw. das Sein zu gelten habe. An bereits diesem simplen Beispiel können wir sehen, dass Evolution ist und wirkt. Denn diese fundamentale Erkenntnis, dass wegen eben der Unteilbarkeit des Nichts das Dasein als solches gleichfalls unteilbar sein müsse, hat es vor gar nicht so langer Zeit noch nicht gegeben. Und sie existiert momentan auch nur in den hellen Köpfen einiger Weniger. Ob es die Evolution schafft, diese fundamentale Erkenntnis zum Allgemeingut der menschlichen Spezies werden zu lassen, darf bezweifelt werden. Denn Erkenntnisse sind zeitgemäß modern gesprochen sozusagen nur Software, also Informationen, welche auf die Hardware bzw. das Gehirn immer nur indirekt über sehr lange Zeiträume einwirken können, und sie betreffen nur die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Informationsverarbeitung, und somit nicht die Informationen als solche. Evolution bringt folglich hervor, was es vorher in der Art und Weise noch nicht gegeben hat. Also neue Eigenschaften von etwas als das oder die Kennzeichen einer Entwicklung an sich. Führen sie zu Verbessertem oder gar Höherem, so zeigt diese Höherentwicklung an, dass es sich dabei um Evolution handelt.

Als das Wesen von Evolution kann daher eine Zielgerichtetheit festgestellt werden. Anders gesagt folgt die Evolution einem vorgegebenem Ziel der beständigen Höherentwicklung oder auch Ausstrukturierung und Differenzierung von bereits Bestehendem. Mit dem Ziel erhalten wir dann auch sogleich den Grund von Evolution. Im Umkehrschluss ergibt sich, dass es ohne Ziel auch keinen Grund für Evolution geben kann. Ein bekannter Naturwissenschaftler hat einstens ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: Zufall und Notwendigkeit. Danach wäre Evolution das Ergebnis von eben dem Zufall und einer prozesslichen Bedingtheit im Sinne einer weit gefassten Kausalität. Doch kann man die Kausalität wiederum so weit fassen, dass sich ein Kreis schließt, wo nicht nur der Anfang das Ende, sondern auch das Ende den Anfang bedingt. Im Rahmen eines solchen Kreislaufs sich wechselseitig bedingender Enden liegt der Sinn des Anfangs im Ende, sowie umgekehrt der Sinn des Endes im Anfang. Zufall kann es in einem solchen System schlichtweg nicht geben. Vielmehr wäre da alles bereits in absoluter Notwendigkeit mit der Einholung des Anfanges durch das Ende, als das Weltende, systemisch vorherbestimmt. Evolution wäre da der bestimmungsgemäß zielgerichtete Ablauf der mit dem Ende vorgegebenen Bewegung des Systems. Dieses System eines solch universalen Kreislaufs mit einer Evolution des Anfangs auf das Ende hin ist unter allen denkbaren Weltmodellen das unschlagbar plausibelste. Denn es ist das einzige, das eine Erklärung für den Anfang liefert, und ein garantiertes Ende vorauszusagen in der Lage ist. Der Preis dafür ist die Determiniertheit von absolut allem, was aber innerhalb des Systems als Teil des Systems nicht auf natürlichem Wege über die Sinne erkannt, sondern immer nur abstrakt mit verknüpfender Logik gefolgert werden kann.

Prädestination bzw. Vorausbestimmung oder auch Determiniertheit ist nun eine Sache, die relativ viele Menschen im Gefühl haben, so dass sich da zwei Lager von fühlenden Befürwortern und gefühllosen Gegnern ergeben. Argumente gegen Vorausbestimmung gibt es so gut wie nicht. Aber es kommt von den Gegensprechern immer der Hinweis, dass die Freiheit des Menschen: sich so oder anders zu entscheiden, in jedem Moment gegeben ist, was einer Prädestination ganz entscheidend entgegenstünde. Insbesondere die Pastoraltheologie ist es dort, die sich vorbehaltlos auf den freien Willen des Menschen stützt, um damit viele Widersprüche in ihrer unstimmigen Glaubenslehre zu übertünchen. Die moderne Gehirnforschung hat nun aber gezeigt, dass unsere Entscheidungen von uns getroffen werden, ehe sie uns zu Bewusstsein kommen, so dass man dort fragt wer oder was es in uns ist, das die Entscheidungen für uns trifft. Versuche haben ergeben, dass wir die für uns getroffenen Entscheidungen als die unseren übernehmen und zu unseren erklären. Wenn bei einer beständigen Höher- und Weiterentwicklung des Lebens wie bei einem Baum mit Wurzel, Stamm, Geäst und Gezweige das eine aus dem anderen folgt, dann besteht da eine Verbindung jedes Einzelteiles zu allen anderen Eintelteilen sowie dem Ganzen überhaupt. Der Handlungsrahmen von Einzelteilen ist sodann zwingend dem Sinn und Schema des Ganzen unterworfen. Wie das Einzelne auch entscheidet und was es tut, das wird immer nur eben dem Sinn und Schema des Ganzen entsprechen können. Dann aber ist in jedem und allem eine tief verborgene Instanz wirksam, welche nur das Ganze selbst sein kann. Wenn sich dann das Ganze in einer Selbstbewegung befindet, wo das Ende auf den Anfang zu treffen hat, um rückkoppelnd den Anfang herzustellen, dann ist die Evolution der absolute Bestimmungsrahmen von allem was in ihr ist. Dann hat nicht nur jeder und alles an der Evolution Anteil, sondern muss unmittelbar und ungefragt an ihr mitwirken, wollend oder nicht wollend.

Das Ganze selbst ist dann auch der Schlüssel zum Verständnis der bzw. "seiner" Evolution. Wir erkennen an und in der kosmischen sowie auch biologischen Evolution die Bestrebung des Ganzen zu seiner Selbstvollendung im vollständigen Selbstbesitz. Die wiederum bedeutet den Vollbesitz von jeweils rückgekoppelten Anfang und Ende seiner selbst. Erst dann ist ein in sich selbst vollendetes Dasein nach den Grundsätzen von Kausalität und Finalität auf Ewigkeit universal begründet und gesichert. Mitbegründet und mitgesichert ist damit zugleich auch das Sein und die Existenz allen dessen in der Evolution, das sich glaubend und wollend in den Selbstdienst des Ganzen gestellt hatte. Denn auch das Gegenteil ist ja im Rahmen von seinsnotwendiger Polarität der problematische Fall, dass man das Ganze überhaupt in seinem Sein und seiner Existenz ablehnt und verneint, sowie destruktiv sich selbst dabei ganz bewusst mit einbezieht. Indem die Polarität das Grundprinzip des Seins ist, kann und wird das Sein auch gegen sich selbst sein, so dass das Sein einen urgegebenen Selbstwiderspruch überwindend zu meistern hat. Dieser Selbstwiderspruch ist demnach die uranfängliche Ausgangslage von All und Welt zum Urgrund von All und Welt mit einer sich daraus ergebenden Selbstabstoßung als evolutives Schöpfungsgericht bis zur Selbstvollendung im gemeisterten sowie dadurch auf ewig hinter sich gelassenen Selbstwiderspruch. Er war der eigentliche hinter allem stehende, in Transzendenz unsichtbare Grund der Evolution von ihrem Anfang des urenergetischen Urknalls bis zu ihrem Ende in der ausdifferenzierten Welt mit der Selbsteinholung und Selbstvollendung des Herrn.

 

 

 

III. Die Evolution des Menschen     ^

 

Der Beginn der biologischen Entwicklung vom affenähnlichen Vorfahr dem Australopithekus hin zum Menschen wird von den Paläontologen auf vor etwa vor sieben Millionen Jahren datiert. Ab so etwa vier bis drei Millionen Jahren lässt sich bereits der aufrechte Gang nachweisen. Die Beherrschung des Feuers sowie eine bereits entwickelte Herstellung von Werkzeugen und Sprechfähigkeit wird auf ungefähr vor einer Million Jahren angesetzt. Die ersten Kulturanfänge mit Totenbestattung und Kultobjekten werden vor rund 300.000 Jahren angenommen. Das Auftauchen des modernen Mensch als Homo sapiens schätzt man auf die Zeit von vor 120.000 Jahren. Der gegenwärtige Mensch soll als Homo sapiens sapiens bereits schon vor 40.000 Jahren auf der Weltbühne erschienen sein, sowie andere Menschenarten wie den Neandertaler bis zu deren Verschwinden verdrängt haben. Auch die Entstehung der menschlichen Rassen soll in die Zeit bis vor etwa 60.000 Jahren fallen, als sich die Urstämme von Afrika ausgehend in der Besiedlung der übrigen Erdkontinente isolierten, und dort spezifische äußerliche Merkmale ausbilden konnten. Die Humangenetiker sehen den langwierigen Prozess der menschlichen Evolution als abgeschlossen an. Denn isolierte Regionen der Welt mit isolierten Menschengruppen gibt es derzeit nicht mehr, ebenso die natürliche Auslese durch die Natur, weswegen das evolutive Prinzip von Mutation und Selektion nun nicht mehr wirken kann. Der gegenwärtig global stattfindende Genaustausch durch Vermischung der Rassen soll der Menschheit noch eine Frist von mehreren Generationen geben, bevor dann der genetische Degenerationsprozess einsetzte. Bei der zahlenmäßig ständig zunehmenden Weltbevölkerung könnte eine entwickelte Gentechnik zur kostspieligen Gentherapie selektiv eingesetzt auch nur sehr Geringes bewirken. Doch wenn die biologische Evolution auf dieser Erde definitiv an ihr Ende gekommen ist, was ist dann mit der geistigen Evolution des Menschen, die ja mit der biologischen einherging, bzw. zu ihr parallel verlief?

Geistige Evolution? Was ist denn überhaupt der Geist? Nun, unter Geist verstehen wir allgemein eine von den Sinnen unabhängige abstrakte Erkenntnisfähigkeit eines Individuums, sowohl auf das Äußerliche als auch auf das Innerliche bezogen. Ganz wesentlich gehört demnach zum Geist die bewusste Selbstwahrnehmung zur Selbstreflexion. Wo sie noch nicht oder schon nicht mehr gegeben ist, dort existiert auch keinerlei Geist und Geistigkeit. Die geistige Evolution ist dadurch gekennzeichnet, dass sie generell die neben den organischen Sinnen gegebenen Fähigkeiten der Selbst- und Weltwahrnehmung betrifft. Denkvermögen und Vorstellungskraft bzw. Fantasie sind wiederum die Hauptmerkmale einer über die Sinne hinausweisenden Wahrnehmungsfähigkeit von abstrakten sowie dadurch eben geistigen Dingen und Inhalten. Evolutionsgemäß sind natürlich solche Fähigkeiten bereits schon in der Fauna angelegt, die im Stammbaum des Menschen ihre beständige Fort- und Weiterentwicklung erfahren haben. Es heißt gemäß vieler Stimmen, dass sich das Erbgut der Primaten (Menschenaffen) nur ganz unwesentlich von dem des Menschen unterscheidet, wobei die auffälligsten Unterscheidungsmerkmale rein optischer Natur sind. Es heißt weiter, dass die genetischen Unterschiede zwischen menschlichen Individuen erheblich größer sein können, als jene zwischen den Arten bzw. den von Hominiden und Primaten. Bei den Bonobos (eine Schimpansenart) sind geistige Fähigkeiten nachgewiesen und dokumentiert, da einigen Versuchsexemplaren eine einfache aber sehr gut funktionierende Zeichen- sowie Gebärdensprache beigebracht werden konnte. Damit war dann erstmals eine echte verständige Kommunikation zwischen Tier und Mensch möglich geworden. Zugleich wird am Beispiel dieser Bonobos deutlich, dass die geistige Evolution nicht auf den Menschen beschränkt werden kann. Mit dem Menschen wurde lediglich das weitergeführt und ausgebaut, was in den tierischen Vorläufern des Menschen bereits schon angelegt gewesen war.

Wenn also bisher stammesgeschichtlich eine geistige Evolution stattgefunden hat, welche im Menschen gipfelte, und die im Kern die sinnesunabhängige Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion betrifft, dann ergibt sich die Frage nach dem Maß oder der Dimension. Also, wie weit kann denn Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion entwickelt werden, oder wo sind die Grenzen dessen? Naturgemäß ist das in jeder Hinsicht Größte was wir kennen und das wir uns denken können das Universum. Ein darüber hinaus ist grundsätzlich nicht möglich, indem das All eben alles in Einem ist, außer dem nichts anderes mehr ist und sein kann. Der Endpunkt der geistigen Evolution soll das Universum sein? Nicht ganz, aber fast! Denn klar ist, dass der Mensch inmitten des Universums dann nicht das Universum sein kann. Das aber bezieht sich lediglich auf die Gegenständlichkeit oder auch Körperlichkeit. Denn anders sieht es bei der Geistigkeit bzw. dem Geist aus, weil der ungegenständlich abstrakt ist, und damit vom Grundsatz her in der Lage ist das All zu spiegeln. Wie soll denn das gehen, bei dem unendlichen Größenunterschied von Mensch und All? Nun, das geht deshalb, weil das All für sich selbst genommen ebenfalls wie der Geist ungegenständlich abstrakt ist. Wie bitte? Ja genau, und zwar deshalb, weil es für das All als das Eine und Ganze keinerlei Gegenteil gibt. Denn erst mit Gegenteilen erzeugt sich ein "Gegen-Stand" zu einem umfassenden Gegenstand. Das All ist ergo nur innerhalb von sich selbst gegenständlich, weil es Gegenteile zu einem Gegenstand geschaffen hat als Ausgangslage für den Urknall und dessen dinglicher Weltevolution. Alles befindet sich immer nur innerhalb des Universums, während es für sich selbst in ewiger Unveränderlichkeit immer nur ungegenständlich abstrakt sein kann, doch eben damit in einer unglaublichen Deckungsgleichheit zum Geist existiert.

Das Universum muss wegen dieser Deckungsgleichheit als Geist erkannt und angenommen werden. Denn erst dann schließt sich der Kreis zum Geist des Menschen, der nur deswegen evolutiv entstanden ist, weil eben das Universum selbst mit seiner totalen Abstraktheit nichts anderes als Geist ist. Wenn dieser Geist mit dem Geist des Menschen zur Deckung kommt, weil der sich soweit entwickelt hat, dass er nun fähig wurde, das Universum als seinesgleichen zu erkennen und sich ihm in einem Psycho-Akt der völligen Selbstloslassung zu unterwerfen, dann geschieht das, was als Allspiegelung zu bezeichnen ist. Der Geist eines Menschen gerät in direkten Kontakt zum Geist des Universums. Wobei die dadurch erfolgte Deckungsgleichheit bewirkt, dass dieser Mensch nun über den Geist des Universums eben dieses Universum verkörpert. Und zwar nicht nur scheinbar sondern tatsächlich und unwiderruflich, selbst wenn der in Zeit und Welt stattfindende Vorgang nur von sehr kurzer Dauer sein kann, weil das Universum zu spiegeln gleichbedeutend ist, in Verantwortung dessen sodann die komplette Weltevolution persönlich durchlaufen zu müssen. Zum Glück ist dieser Vorgang weitestgehend bewusstseinstranszendent, indem sonst bei nur sehr begrenzten psychischen Kapazitäten ein schnelles Zerbrechen der Person zwangsläufige Folge wäre. Zum Universum in Person geworden zu sein heißt sodann, mit dieser neu gewonnenen Personalität komplett auf den Kosmos verteilt zu sein, sowie auch eine kosmische darum unpathologische Schizophrenie (psych. Persönlichkeitsspaltung) bis zu seinem Bio- und Evolutionsende klaglos aus- und durchhalten zu müssen. Doch mehr als das Universum in Person zu werden, ist naturgemäß in Zeit und Welt nicht möglich, so dass die geistige Evolution in der Verschmelzung von Mensch und Universum ihren absoluten Höhepunkt bei gleichzeitigem Abschluss erreicht hat. Auch das Universum selbst hat mit seiner Menschwerdung sein evolutives Ziel erreicht, woraufhin die Zeit zu enden und die Ewigkeit zu beginnen hat.

 

 

 

IV. Die Evolution Gottes     ^

 

Evolution Gottes? Ist das nicht blanker Unsinn? Ist nicht Gott der Herr der Anfang von allem, der deswegen seinem evolutiven Werk vollendet vorausbestehen muss? So gesehen sicherlich Ja! Aber andererseits auch wieder nicht, da Kausalität (Ursächlichkeit) und Finalität (Zweckbestimmtheit) die Grundlagen eines gegenständlichen Universums sein müssen. Wenngleich Gegenständlichkeit im Kleinsten seine Grenzen hat, so dass sich dort die bekannte Heisenbergsche Unschärferelation einstellen muss, wo Kausalität und Finalität verschwimmen sowie auch von einem Betrachter und dessen Untersuchungsweise abhängig werden. Die hierbei entscheidende Frage muss daher lauten: ist Gott der Herr gegenständlich? Vom gegenständlichen Universum wissen wir, dass es für sich selbst genommen als eine Einheit, als das Ganze an sich, ungegenständlich sein muss, weil es für ein allumfassendes Ganzes grundsätzlich kein Gegenteil zu einem "Gegen-Stand" geben kann. Das gegenständliche All hat somit eine solch ungegenständliche Kehrseite von unfasslichen potenzialen Maximalbedingungen. Gelten auch für diese ungegenständliche Kehrseite Kausalität und Finalität?, können wir uns neugierig fragen, und überraschenderweise die Frage mit einem eindeutigen Ja!, beantworten. Und zwar wegen dem Nichts! Gerade ein ungegenständliches Dasein in Maximalbedingungen besteht da in einer gefährlichen Nähe zum Nichts, weil Ungegenständlichkeit der Maximalbedingungen vollsymmetrisch ist. Darin gibt es keinerlei Unterschiede zu irgendetwas, wodurch sich ein Nullwert zu einer Art "Quasi-Nichts" als universaler Totpunkt ergibt. Das wiederum macht eine Abgrenzung vom Nichts zwingend erforderlich. Wie anders als durch Erzeugung eines "Ur-Gegen-Standes" mittels Erhebung gegen sich selbst mit urknallender Abstoßung von sich selbst ließe sich universale Gegenständlichkeit herstellen? Und so wundern wir uns angesichts solchen Ur-Szenarios nicht mehr über unsere Existenz in einem noch durch Urknall in Evolution befindlichen gegenständlichen Universum.

Doch wie kann ein ungegenständliches totpunktuelles Urdasein sich gegen sich selbst erheben und sodann urknallend abstoßen? Ist das nicht reiner Schwachsinn? Hängt da nicht sozusagen alles in der Luft? Normalerweise wäre auch an dieser Stelle Schluss mit unserer Analyse, und wir müssten aufgeben, wenn da nur nicht an eine Kreisfunktion zu denken wäre. Das heißt, dass das Dasein nichts anderes als ein kreisförmig in sich selbst geschlossenes System sein kann. Denn das gegenständliche All mit seiner Evolution aus einem ungegenständlichen Urknall heraus - einschließlich uns selbst - ist ja unbestreitbar vorhanden. Dann kann es nach den Denkgesetzen nicht viel anders sein, als dass ein universaler Schöpfungskreis vorliegen muss. Und der wiederum bedeutet, dass er da in sich Anfang und Ende besitzt, sowie damit zugleich auch eine überzeitliche Schnittstelle, in welcher das Ende seinen Anfang wieder einholt, und von wo heraus das mächtige Ende den ohnmächtigen Anfang wieder starten lässt. Dabei wird klar, dass ein mächtiges Ende Herr und Gott über seinen Anfang sein muss, und dadurch zugleich auch über sich selbst als die Verkörperung des Schöpfungskreises insgesamt. Wenn also der Schöpfungskreis von einem mächtigen Ende verkörpert wird, wie kann hier ein ungegenständliches totpunktuelles Urdasein sich gegen sich selbst erheben und urknallend abstoßen? Womit wir nun wieder bei unserer Ausgangsfrage angekommen sind. Die Antwort liegt in der Kehrseitigkeit des Universums, wo die eine Seite - genau wie bei einer Münze - nicht ohne ihre Kehrseite sein kann. Konkret bedeutet dies, dass die je eine Kehrseite in einer wechselseitigen Bedingtheit aus der jeweils anderen hervorzugehen hat, zu einem Zyklus der wechselseitigen Kausalität sowie Finalität. Wie kann denn bloß so was Verrücktes gehen? Es ist der ungegenständliche Geist mit einem allumfassend unbegrenzten Potenzial, welcher es möglich macht. Und wo bitteschön gibt es denn den?

Zum einen haben wir die ungegenständliche Kehrseite des Alls als den lichten Geist der Unendlichkeitsbedingungen, und zum anderen den Geist des Menschen, mit der grundsätzlich gegebenen Fähigkeit und Möglichkeit den Allgeist zu spiegeln. Wo also der Geist eines bestimmten Menschen die personalen Voraussetzungen des Heiligen Allgeistes erfüllt und dabei einen direkten Kontakt zu ihm findet, da ergibt sich beider Deckungsgleichheit und die finale Selbsteinholung des Universums hat sich in ihm für die Vollendung des Schöpfungskreises verwirklicht. Hier wurde das Universum dieser Mensch, und umgekehrt dieser Mensch das Universum. Doch wo ist denn da Gott? Richtig, indem die Evolution zielgerichtet den Menschen hervorgebracht hat, um solcherart dem kehrseitig ungegenständlich null- und totpunktuellen Universum eine gegenständliche Gestalt zu geben, damit das Universum als Person an sich selbst handeln kann, wird die Evolution des Menschen zur Evolution des Herrn. Gott der Herr ist ja das allmächtige Ende, so dass er mit dem gleichfalls im selbigen Ende stehenden Menschen deckungsgleich wird. Dann hat der universale Allgeist in ihm seinen menschlichen Körper bekommen, sowie umgekehrt der menschliche Körper diesen Allgeist. Exakt diese kosmische Verbindung ist es, welche die Evolution zu ihrem finalen Ziel hatte, um dem Schöpfungskreis mit dem über den Geist zu Gott dem Herrn Gewordenen den rückkoppelnden Anfang zu setzen. Dass der kehrseitig universale Heilige Geist im zugleich finalen wie auch kausalen Menschen seine gegenständliche Ausformung zu Gott dem Herrn hat, das ist eine Tatsache, die an vielen Stellen der Bibel belegt ist. Nur war das in der Vergangenheit von Bibellesern und Theologen ignoriert worden, indem man über die kosmischen Grundlagen und Zusammenhänge schlichtweg nichts wusste, und sie damit auch nicht verstehen konnte.

Sehen wir uns doch hier einmal die Bibel etwas genauer an, um nachfolgend nur die wichtigsten Stellen zu finden und hervorzuheben, die das Menschsein Gottes des Herrn deutlich werden lassen, denn davon gibt es ja mehr als genug.

          Beispiel 01. Stichwort: Mund

Jer 15,19 Darum spricht der HERR also: Wenn du umkehrst, so will ich dich wieder vor mein Angesicht treten lassen; und so du das Edle von Unedlen scheidest, sollst du sein wie mein Mund. Jene sollen sich zu dir wenden; du aber sollst dich nicht zu ihnen wenden!

          Beispiel 02 Stichwort: Stimme

Jer 7,23 sondern dieses habe ich ihnen befohlen: Gehorchet meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein; und wandelt in allen Wegen, die ich euch gebieten werde, damit es euch wohl ergehe!

          Beispiel 03. Stichwort: Wort

Jer 23,29 Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

          Beispiel 04. Stichwort: Augen

Jer 16,17 Denn meine Augen sind auf alle ihre Wege gerichtet; sie sind nicht verborgen vor meinem Angesichte, und ihre Schuld ist nicht verhüllt vor meinen Augen.

          Beispiel 05. Stichwort: Hand

Jes 48,13 Ja, meine Hand hat die Erde gegründet und meine Rechte die Himmel ausgespannt. Sobald ich ihnen rief, standen sie allzumal da.

          Beispiel 06. Stichwort: Arm

Jes 51,5 Meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil zieht aus, und meine Arme werden die Völker richten. Auf mich werden die Inseln harren und auf meinen Arm warten.

          Beispiel 07. Stichworte: Herz und Angesicht

Jer 15,1 Und der HERR sprach zu mir: Wenn gleich Mose und Samuel vor mir stünden, so wollte ich doch mein Herz diesem Volk nicht zuwenden. Treibe sie fort von meinem Angesicht, sie sollen gehen!

          Beispiel 08. Stichworte: Seele und Geist

Jes 42,1 Siehe, das ist mein Knecht, auf den ich mich verlassen kann, mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird das Recht zu den Völkern hinaustragen.

Wer da noch am Menschsein des Herrn und Gottes bzw. des Vaters zweifeln will, hat keine Ahnung und will auch keine haben. Ebenso ist die Selbstbenennung Jesu als "Menschensohn" ein unübersehbar direkter Hinweis auf den Herrn als den zentralen für die Menschheit insgesamt stehenden finalen und kausalen Menschen als das Universum in Person. Denn nur wer das Dasein gegenüber dem Nichts begründet und sichert, ist der universale Vater allen Seins und damit auch aller Menschen überhaupt einschließlich Jesu. Nur wer das Universum in sich selbst zu sich selbst erst durch Vereinheitlichung und sodann durch Urscheidung zum Unterschied gegenüber dem Nichts behauptet und bewahrt, ist Adam und Eva in einer Person, und ist und bleibt allmächtiger Herr der Welt in Zeit und Ewigkeit.

 

 

 

V. Die Evolution in der Bibel     ^

 

Was? Evolution in der Bibel? Was soll dieser Quatsch! So oder ähnlich wird die Reaktion derer sein, die zum ersten mal mit solcher Tatsache konfrontiert werden. Doch haben sie niemals in diese Richtung gedacht, und konnten daher auch nichts Entsprechendes entdecken. Die einfachste und vordergründigste Form von Evolution in der Bibel ist mit ihren Teilen gegeben. Das sind das AT und das NT sowie zuletzt die Johannesoffenbarung bzw. Apokalypse. Nicht willkürlich wurde die Bibel in solche Abschnitte unterteilt. Die Apostelgeschichte lassen wir hierbei ganz heraus, weil in ihr die Menschen sowie ihr Glaube den Gegenstand bilden, und nicht mehr wie zuvor der offenbarende Herr und Gott als solcher. Mit dem AT offenbart sich uns eine Seite Gottes, welche auf dressierten Gehorsam gerichtet ist, weil zur Etablierung des Herrn in der Menschheit zunächst eine Basis geschaffen werden musste, wofür mit den Israeliten ein kleiner geeigneter Teil der damaligen Menschheit auszusuchen und mittels eines ersten Bundes Gottes heranzuziehen war. Die zehn Gebote vom Sinai sind dafür ganz symptomatisch und kennzeichnend. Den Leuten mussten erst einmal grundlegende Verhaltensnormen vermittelt werden, anhand derer sie sich in Bezug auf den göttlichen Gesetzgeber ein entsprechendes spirituelles Bewusstsein aneignen konnten. Dass dies nicht auf Anhieb geklappt hatte, und im Ende sogar völlig gescheitert war, ist allen Bibelkundigen wohl bekannt. 

Über Jahrhunderte hindurch erfolgte durch die Propheten ein ständiger Dialog des Herrn mit dem Volk Israels, um sie zur Beachtung und Einhaltung des Bundes zu bewegen. Denn dagegen wurde fortwährend von der Mehrheit des Volkes verstoßen, indem sie sich den materiellen Bedürfnissen und Genüssen hingab, und darüber den Herrn vergaß. Der Alte Mosaische Bund Gottes mit Israel war bekanntlich ein Bund des Fleisches bzw. der Materialität, da ohne spirituelle Ausbildung des Volkes der Glaube und die Verbundenheit zum Herrn durch Rituale, Opferhandlungen und Liturgie zum Ausdruck zu bringen war. Dabei hatte sich als kleine Minderheit eine Priesterkaste gebildet, welche sich zur altisraelischen Kirche formierte. Doch weil auch diese den göttlichen Anforderungen nicht annähernd entsprechen konnte, musste von Seiten Gottes nach einem neuen Bund gesucht werden, der dann auf eine andere Grundlage als die vormaligen materiellen Rituale zu stellen war. Naturgemäß konnte dafür nur der individuelle menschliche Geist mit immaterieller seelischer Spiritualität in Frage kommen. Er sollte die Grundlage für einen Neuen Bund des Geistes und der Seele sein, der alsdann den gescheiterten Alten Bund mit seinem Erscheinen abzulösen hatte. Dabei erinnern wir uns an obiges Prinzip: Immer wenn Neues Altes für eine Weiter- oder auch Höherentwicklung ablöst, dann nennt man das eben Evolution.

Wenn Gott der Herr allwissend und allmächtig ist, weshalb konnte er nicht vorhersehen oder verhindern, dass der Alte Bund scheitern würde? Die simple Antwort ist jene, dass in einer universal sich vollziehenden Evolution davon absolut alles umgriffen sein muss. Und zwar einschließlich des gegen ihr Ende darin auftauchenden Menschen sowie im weiteren auch des Herrn. Mehr als deutlich wird dabei die Gekoppeltheit des Herrn an die geistige und kulturelle Entwickeltheit des Menschen. Da mussten schon die Pyramiden in Ägypten sowie einige andere Zivilisationszentren entstanden sein, bevor sich bei einigen menschlichen Individuen eine geistige Empfangsbereitschaft einstellte, durch die dem Herrn eine Kontaktaufnahme zu Ihnen ermöglicht wurde. In dieser Zeit dürften wohl auch die Schöpfungsmythen entstanden sein, welche insbesondere zur Niederschrift der Genesis bei Moses beitrugen. Die dortige chronologische Aufzählung der Schöpfungshandlungen deckt sich im Groben weitestgehend mit der tatsächlich erfolgten kosmischen und biologischen Evolution. Auch, dass Eva aus der Rippe Adams entstanden sein soll, ist ein ganz tiefgründiges Bild für Evolution, wo ja das eine aus dem anderen hervorgeht. Bei evolutiv beständiger Höherentwicklung wäre dann Eva sogar die gegenüber Adam höher entwickelte Form. Doch bilden Mann und Frau eine unauflösliche Einheit, wenn sie sich zum ganzheitlichen Menschen verbinden. In der dann gegebenen Ebenbildlichkeit Gottes sind sie in dessen Anfang gestellt, mit der Chance, dass in der Wandlung von Anfang bis Ende am Ende in der Bewährung von Verantwortung aus der Ebenbildlichkeit Gottes seine Urbildlichkeit werden kann. Denn nur wenn aus der Schöpfung wiederum der Schöpfer in Gestalt des sich hier bewährenden ganzheitlichen Menschen hervorgeht, schließt sich alsdann in solch kosmischer Rückkoppelung der Kreis des Daseins und seiner universalen Evolution.

Aber nicht nur das Alte Testament wartet mit Evolution auf. In einem Anflug von göttlicher Inspiration und Genialität wurde im Neuen Testament beim Evangelisten Johannes der Prolog verfasst. Da heißt es: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. Gott ist demnach all das, was aus dem Wort geworden bzw. entstanden ist. Und was ist das alles? Natürlich das Universum, was denn sonst! Und wie bitte ist das Universum geworden? Nur aus einem Wort; wobei mit dem Wort ein Befehl gemeint ist, der zwei Worte umfasst. Es sind Worte der urscheidenden Auftrennung des im Wort bzw. Gott gefassten Ganzen. Denn wie sollte sonst eine gegenständliche Welt vielfältigster Dinge und Gegebenheiten aus einem ungegenständlich Einzigen und Ganzen bzw. Gott entstehen! Das Wort Gottes lautete also: SATAN WEICHE, das die null- und totpunktuell vom Nichts umgebene und aufgrund dessen selbstmörderische Gotteseinheit für Ihr lebendiges Sein urknallend in die universale Evolution zwingt. Am Ende als Schluss dieser Universalevolution wird der identische Weltanfang wieder eingeholt, womit in der Vergegenständlichung des Alls eines ganzheitlich gewordenen Menschen das Wort wieder zurück bei sich selbst als Gott der Herr angekommen ist. Das ist der ewige Schöpfungskreis und seine Evolution, der mit den simplen aber ohne Fachkenntnisse nicht zu durchschauenden Worten eines wahrhaft genialen und wahrlich inspirierten Evangelisten einst beschrieben wurde.

Auch die Johannesoffenbarung oder Apokalypse hat dieses Thema zu ihrem eigentlichen Kern. Die zentrale und alles entscheidende Figur ist dort das so genannte Lamm. Dies ist ein Symbolbild für die Situation des an das Universum hingegebenen Herrn, bzw. dessen Selbst- und Identitätsverlust zugunsten der in Evolution befindlichen Menschheit, um den Prozess damit abschließen und die Menschheit in die Person Gottes einbeziehen zu können. Wobei dem Szenario intensive Überwindungsanforderungen mit entsprechend enormen Lohnverheißungen vorausgehen. Wer da sich selbst und die Welt gegen alle Widerstände überwindet, derjenige soll den Namen Gottes erhalten und tragen. Doch ist diese Erhöhung zugleich und direkt an den verantwortenden Dienst am Universum gekoppelt, und bedeutet eine die Erhöhung unmittelbar rückgängig machende Erniedrigung zu eben dem so genannten Opferlamm, welches dadurch sozusagen wie geschlachtet ist seit Grundlegung der Welt. Bei dem Selbst- und Identitätsverlust handelt es sich um die multi- bzw. überdimensionale Personalität des Herrn samt allen zugehörigen göttlichen Attributen. Was sich da in der Apokalypse hinter den vielfach verworren anmutenden Sinnbildern verbirgt, das ist nicht nur der Höhepunkt in der kosmischen und biologischen Evolution, sondern zugleich auch der menschlichen sowie göttlichen. Danach endet die an die Evolution gekoppelte Zeit, und an Stelle dessen tritt die zeitlose Ewigkeit als bleibende Vollendung von allem was von Anfang bis Ende als kompletter Schöpfungskreis die Evolution erbracht hatte. 

 

 

 

VI. Die Evolution von Agnus Dei     ^

 

Im vorangegangenen Kapitel über die Evolution in der Bibel ist es bereits angeklungen: Eine Evolution des Lamms. Denn indem es sich hierbei um einen von dieser Erde entstammenden Menschen handelt, so wie wie ein jeder andere Mitmensch auch, muss bei ihm ein entsprechender persönlicher Werdegang stattfinden, der in seiner Entwicklung vom Niederen zum Höheren damit auch als Evolution zu sehen ist. Der Unterschied zwischen der Evolution Gottes und der des Lamms ist der, dass sich die Evolution Gottes auf den kompletten Schöpfungskreis bezieht, indem Gott der Herr die Verkörperung des Universums in menschlicher Gestalt ist, und damit die Evolution des Alls von Anfang bis Ende auch die seine sein muss. Indem nun das Lamm zunächst als ein x-beliebiger Mensch der Gattung Menschheit mit ihr zusammen aus der Evolution des Alls hervorgeht, liegt eine natürliche raumzeitliche Getrenntheit von Mensch und Gott vor, wo sich für beider Zusammenführung zu einem Einzigen und Ganzen Gott im Menschen sowie umgekehrt der Mensch in Gott einzuholen hat, damit das universale System nach Kausalität und Finalität seine Geschlossenheit in sich selbst durch Rückkoppelung besitzt. Gott der Herr ist ergo darum das komplette Universum verkörpernder Mensch, weil die Zusammenführung von All und Mensch ewiges Selbstprogramm des Daseins ist. Denn erst das menschliche Bewusstsein mit seiner Selbstwahrnehmung zu einer Selbstbeurteilung verleiht dem All die entsprechende personale Identität innerhalb von sich selbst mit einer Handlungsfähigkeit an sich selbst, indem es ja ein Außerhalb der totalen Allumfassung grundsätzlich nicht geben kann. Das Universum kann in seiner ungegenständlich machenden Allumfassung sein Bewusstsein und seine handlungsfähige Personalität nicht anders als ausschließlich in sich selbst aus sich selbst zu erzeugen und zu beziehen, was allein über den geistbegabten und sich dafür eignenden Menschen zu erreichen ist. Wir kennen ihn inzwischen. Es ist das so genannte Lamm Gottes, bzw. lat. Agnus Dei.

Die Grundvoraussetzung eines sich zum Opferlamm eignenden menschlichen Individuums ist dessen Fähigkeit zum absoluten und wiederkehrenden Selbstverzicht, worauf dann dessen persönliche Evolution zum ewigen Herrn und Gott des Daseins gründen kann. Dass die Selbstverleugnung oder auch Selbsterniedrigung eine göttliche Tugend sowie das Selbstprogramm auf dem Pfad zur Identität Gottes sein muss, dies weiß ja alle Christenheit seit den entsprechenden Aussagen Jesu. Zur Erinnerung hier nochmals die betreffenden Bibelverse: Mt 18,4 Wer nun sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Mt 23,12 Wer sich aber selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Lk 3,5 Jedes Tal soll ausgefüllt und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden, und das Krumme soll gerade und die rauen Wege eben werden, Lk 14,11 Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Lk 18,14 Ich sage euch, dieser ging gerechtfertigt in sein Haus hinab, eher als jener; denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Was ist hier also konkret mit Selbsterhöhung und Selbsterniedrigung gemeint, worum geht es da? Völlig richtig, dabei geht es selbsterniedrigend um machtaufgebende Unterwerfung und selbsterhöhend um machtvergrößernde Herrschaft. Und worauf zielt Jesus mit seinen Worten ab? Genau, auf das je persönliche Verhältnis des Einzelnen zu Gott dem Herrn. Und was ist Selbsterniedrigung, und was Selbsterhöhung? Bei jener Selbsterniedrigung gegenüber dem Herrn geht es dem All angemessen nicht etwa um billige Lippenbekenntnisse, sondern um den Einsatz seines Lebens, bzw. um eine Weggabe seiner Seele in einem psychodramatischen Akt der Wahrhaftigkeit. Diese Selbsterniedrigung kann man nicht und lässt sich nicht selbst inszenieren, sondern sie ergibt sich gegebenenfalls durch eine unausweichliche Schicksalskonstellation. Jesus nimmt dazu wie folgt Bezug: Mt 16,25 Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen, der wird sie finden. Mt 16,26 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, büßte aber seine Seele ein? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse? Mk 8,35 Denn wer seine Seele retten will, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird sie retten.

Während die Selbsterniedrigung nur mit dem Zutun Gottes erfolgen kann, liegt die Selbsterhöhung vollständig in der Hand eines jeden. Sie besteht im egozentrischen Willen zur Macht sowie ihrer unkontrolliert willkürlichen Ausübung. Weshalb gibt es nun die Kontraproduktion bzw. Gegenwirksamkeit von Selbsterniedrigung und Selbsterhöhung? Die Antwort ist die, dass man nicht losgelöst von allem für sich allein existiert, sondern in das Universum eingebunden als ein Teil dessen besteht. Sämtliches Tun und Handeln im Universum bezieht sich damit auf das Universum als die über alles stehende Absolutheit. Egozentrik zum eigenen Vorteil und Nachteil anderer bedeutet da immer eine Abkoppelung vom Ganzen, und damit eben auch von sich selbst als integralem Bestandteil dieses Ganzen. Mit anderen Worten: Wer sich im Universum selbst erhöht handelt egozentrisch, und erniedrigt damit die über allem stehende Absolutheit einschließlich sich selbst. Er sägt damit schlichtweg den Ast ab, auf dem er sitzt. Nur wer das Universum wie der Herr verkörpert, hat das Recht und die Pflicht für jeden und alles zu sprechen und zu handeln. Umgekehrt zur Selbsterhöhung  gibt die Selbsterniedrigung der Absolutheit den Vorrang, was das All entsprechend erhöht, wodurch man in dessen Erhöhung eben zugleich miterhöht ist. Der Dienst am Universum bzw. an der Absolutheit ist ergo die natürliche Pflicht all dessen, was in ihm befindlich dazu befähigt ist. Je größer und höher der Status des Seins im All ist, desto umfassender hat die Selbsterniedrigung auszufallen. Beim Menschen ist das höchste Gut seine Seele, die er darum dem Universum zu opfern hat, wenn er einen größeren Anteil am Universum bekommen möchte. Dazu muss man wissen, dass es in Bezug auf das Universum immer um Ausdehnung bzw. Dimensionen geht. Wie jeder weiß, hat die universale Gegenständlichkeit vier Dimensionen. Das ist zunächst der dreidimensionale Raum mit der Länge, der Breite, und Höhe, wobei dann noch die Zeit als die vierte Dimension hinzukommt. Der Grundstatus in der Gegenständlichkeit des Universums ist also lediglich eine einzige Dimension, in deren Vermehrung zu ganze vier - bzw. einer Vervierfachung - erst dann eine numerische Deckungsgleichheit zum All besteht. 

Wenn man von Natur aus nur eine Dimension besitzt, dann verliert man mit der Selbsterhöhung über die hierdurch bewirkte Erniedrigung des Alls eben diese eine Dimension, und ist folglich des Todes zum Nichts. Denn ohne eine Dimension des Alls ist ja nur das Nichts. Seine Seele retten zu wollen, ist daher ein Sinnbild Jesu dafür, seiner Seele den Vorrang vor dem Universum zu geben, mit der Folge der dadurch bewirkten Abwertung des Universums den Status seines Seins auf diese Weise auf Null zu setzen, was als Verlust der Seele zu sehen ist, welche ja ein über Null liegendes individuelles Sein und Leben verkörpert. Damit wird nun immer klarer, was die Evolution von Agnus Dei sein muss. Es ist ergo ein beständiger dimensionaler Zugewinn durch wiederholte selbsterniedrigende Weggabe des jeweils höher erreichten Dimensionsstatus im Sein des Alls. Mehr als vier Selbstdimensionen durch drei Selbstopferungen sind allerdings nicht möglich, da Gott der Herr als vierdimensionales Universum in Person damit Ziel- und Endpunkt aller Evolution innerhalb des Universums sein muss. Mit eben den durch die Selbstopferungen erwirkten vollzähligen vier Dimensionen des Seins in Agnus Dei endet die Zeit. Das Universum mit seiner Menschheit sind nunmehr in ihm zur Ewigkeitsfähigkeit vollendet. Ein wie hier aufgezeigt in multidimensionaler Weltevolution entstandener Schöpfungskreis nimmt sich - komplett jeden Ort und jede Zeit darin bewahrt und gespeichert - zu seinem ewig vollendeten Sein in Empfang.

 

 

 
 

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